Traumberuf: Produktionsleitung!

Am Wochenende des 30.11. und 01.12. findet unser zweitägiges Seminar Produktionsleitung statt, in dem die Teilnehmer einen professionellen Überblick in dieses vielschichtige Berufsfeld bekommen. Es beinhaltet die Einführung in Ablauf und Struktur einer Produktion, Grundzüge von Kalkulation und Drehplanung, Einblicke in das Personalwesen, die Vertragslage und Rechtesituation sowie das Krisenmanagement einer Produktion. Die Teilnehmer erhalten so die Möglichkeit, einzuschätzen, ob dieser Beruf für sie in der weiteren Karriereplanung in Frage kommt. Wer diese Frage bereits mit Ja beantwortet hat und auch schon erste Erfahrungen sammeln konnte, für den bietet sich unser langlaufender Weiterbildungslehrgang Produktionsleitung (IHK) an, der im Frühjahr 2020 starten wird. Dieser ist mit einer Meisterausbildung vergleichbar und vermittelt alle grundlegenden Voraussetzungen für den Beruf der Produktionsleitung. Durch die Zusammenarbeit an mehreren Wochenenden über mehrere Monate entsteht zudem ein in der Film-und Fernsehbranche immens wichtiges Netzwerk mit den anderen Teilnehmern und Dozenten. Die Leitung beider Seminare übernimmt Produktions- und Herstellungsleiter Marc O. Dreher, der im Interview mit uns das Berufsbild und die Voraussetzungen dafür beschreibt und weitere wichtige Fragen beantwortet.

Dozent und Kursleiter Marc O. Dreher

Marc, was zeichnet Deiner Meinung nach das Berufsbild der Produktionsleitung aus?
Die Produktionsleitung muss auf der einen Seite ein kaufmännisch-kreatives Doppelverständnis mitbringen. Auf der anderen Seite muss sie die vielen unterschiedlichen und komplexen Situationen einer Filmproduktion als Gesamtverantwortliche Stelle mit Wissen, Cleverness und Einfühlungsvermögen steuern.

Welche Funktionen hat die Produktionsleitung?
Die Produktionsleitung plant, organisiert und lenkt den kompletten Ablauf von Film- und Fernsehproduktionen. Von der Vorbereitung über die Dreharbeiten bis hin zur Endfertigung der Projekte. Klingt vielleicht einfach, ist aber meiner Meinung nach der komplexeste Beruf der ganzen Filmbranche, da man als einziger im ganzen Team wirklich alles aus allen Abteilungen wissen sollte.

Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es?
Die Ausbildung zur Produktionsleitung obliegt leider immer noch keiner festen Regelung. Früher konnte man diesen Beruf in der freien Wirtschaft großteils als „Learning by Doing“ erlernen, oder innerhalb von Sendeanstalten. Das bedeutete (mit Varianten) vom Fahrer über die Set-Aufnahmeleitung über die 1. Aufnahmeleitung hin zur Produktionsleitung. Gut war es auch, dazu eventuell ein betriebswirtschaftliches Studium oder eine kaufmännische Ausbildung zu machen. Später kamen an den Filmhochschulen die Produzenten-Lehrgänge dazu, die auch eine gute Basis sind. Und wieder später kam dann der professionalisierende Weiterbildungs-Lehrgang zur „Produktionsleitung IHK“.

Wie sind die Berufsaufstiegschancen?
In der Produktionshierarchie ist die Produktionsleitung im Rahmen einer Produktion schon sehr weit oben angesiedelt. Darüber kommen dann noch die Herstellungsleitung und die Produzenten. Im Bereich der Sendeanstalten ist diese Position als Inhouse-Produktionsleitung bzw. Produktionsmanagement ebenfalls sehr weit oben.

Wie war Dein Berufseinstieg?
Ich habe das Glück gehabt relativ zeitnah nach der Schule als Assistent eines unabhängigen Münchner Produzenten arbeiten zu können. Danach war ich klassisch Fahrer, Set Aufnahmeleiter und 1. Aufnahmeleiter, um so die notwendige Drehorterfahrung zu sammeln. Zu dieser Zeit fing ich auch schon an, Filmhochschul- und Werbefilmproduktionen als Produktionsleiter zu betreuen. Dann wurde ich Assistent in der Herstellungsleitung und schließlich, in derselben Firma, auch Film-Produktionsleiter. Parallel dazu habe ich eine Ausbildung als Werbe- und Kommunikationswirt absolviert, um zur Praxis auch eine solide kaufmännische Basis zu haben. Oben drauf kam noch eine systemisch-therapeutische Ausbildung, da es mir wichtig war, eine Zweitprofession als berufliche Absicherung zu haben.

Wie ist die Nachfrage am Markt bzw. wie sind die Berufsaussichten?
Durch die neuen Medien und auch durch die Streamingdienste ist das Programmvolumen gestiegen. Früher gab es nur Film, TV und Video – heute ist Filmemachen unendlich vielschichtig geworden. Daher haben wir aktuell, und das wird sich so schnell nicht ändern, in allen qualifizierten Filmberufen einen sehr hohen Bedarf an guten Fachkräften. Und das gilt natürlich auch für den Beruf der Produktionsleitung.

Wie hat sich das Berufsbild in den letzten 10 Jahren verändert, insbesondere durch Weiterbildungsangebote?
Gerade durch die Weiterbildungsangebote hat es sich professionalisiert und lebt nicht mehr nur von der jeweils eigenen Definition des Berufsbildes. Es nähert sich immer mehr klaren, allgemein verbindlichen Standards an, wie in jedem anderen Ausbildungsberuf auch. Diese Professionalisierung kommt einem selber, den Produktionen und letztendlich der ganzen Branche zugute.

Im Vergleich zur HFF – wie siehst Du unseren Lehrgang?
Der IHK-Lehrgang zur Produktionsleitung hat, basierend auf einem praxisorientierten Fundament, einen stärker am echten, praktischen Filmemachen ausgerichteten Fokus. Der erst einmal mehr filmtheoretische Lehr-Ansatz der Hochschulen ist natürlich speziell für Produzenten extrem wichtig, aber die Produktionsleitung erlernt und verfeinert man im besten Fall durch praktische Beispiele und durch Praxiserfahrung!

Was ist aus den Absolventen Deines letzten Kurses geworden?
Soweit ich die Absolventen der letzten Kurse beobachte, sind die meisten inzwischen sehr gut etabliert. Sie sind entweder fest in Produktionsfirmen, fest bei Sendern oder auf dem freien Markt gut positioniert, was mich sehr freut.

Wir danken Mark O. Dreher für das Interview und freuen uns auf das Seminar und den Lehrgang mit ihm!

Alles rund um den Lehrgang Produktionsleitung ist auf unserer Internetseite unter www.muenchner-filmwerkstatt.de zu finden. Ebenso alle Infos zu unseren anderen Lehrgängen sowie zum STOFF.lab und DOK.lab.

NISI MASA – European Network of Young Cinema

Velina Chekelova, seit 1. Oktober 2017 Mitarbeiterin der Münchner Filmwerkstatt, wurde am vergangenen Wochenende in Bristol am Randes des Encounters Filmfestivals zur neuen Präsidentin des europäischen NISI MASA-Netzwerks gewählt. Zu dem 2001 gegründeten Dachverband, der Nachwuchs-Filmemacher unterstützt und junge Talente vernetzt gehören neben der Münchner Filmwerkstatt Mitgliedorganisationen aus 26 Ländern. Im Interview mit Sonja Rank erklärt Velina, die dem Vorstand von NISI MASA im vergangenen Jahr bereits als Vizepräsidentin angehört hat, welche Ziele die Organisation verfolgt und wie junge Filmemacher in Deutschland davon profitieren können:

Velina Chekelova, neue Präsidentin von NISI MASA

Velina, wir gratulieren Dir zur Wahl als Präsidentin von NISI MASA! Was genau ist und macht NISI MASA?

NISI MASA hat eine langjährige Geschichte als Netzwerk für junge Film-Enthusiasten. Mit Pilotprojekten wie European Short Pitch und Nisimazine, aber auch Cine-Train und Turcu hat sich die Organisation für die Emanzipation junger FilmemacherInnen engagiert und sorgt weiterhin für ihre Vernetzung und Fortbildung. Wir verbinden viele Assoziationen europaweit miteinander, schaffen Möglichkeiten sich zu engagieren und bringen Filmbegeisterte enger zusammen.

Wie bist Du zu NISI MASA gekommen und was ist Deine Arbeit dort?

Vor ca. einem Jahr trat NISI MASA präsenter in meine Wahrnehmung: Es wurde eine Stellenausschreibung für Board-Mitglieder (ähnlich wie Vorstandsmitglieder) veröffentlicht. Nachdem ich mich ausführlich über das Netzwerk informiert hatte und nach der Bestätigung seitens unseres Vorstands Martin Blankemeyer, entschied ich mich dafür, mich für die Stelle zu bewerben. Seitdem arbeite ich im Board aktiv mit. Als internationales Team bestehend aus sechs Personen aus fünf Zeitzonen, kommunizieren und arbeiten wir viel online. Die Arbeit ist herausfordernd, aber gleichzeitig sehr belohnend. In meinem Aufgabenbereich koordiniere ich die Kommunikation innerhalb des Netzwerks und bin auch im Bereich Förderungen und Budget aktiv. Gerade letztes Wochenende haben wir unsere Mitgliederversammlung abgehalten, viel gearbeitet aber auch Gelegenheit gehabt, wichtige und interessante Menschen aus der jungen Europäischen Filmszene kennen zu lernen und sich auszutauschen. Ich bin sehr stolz, Teil des Ganzen zu sein!

Der Vorstand von NISI MASA beim Encounters Filmfestival 2019 im britischen Bristol am vergangenen Wochenende

Welche Möglichkeiten bietet das Netzwerk jungen Filmemachern in Europa?

Neben Workshopreihen zum Thema Drehbuchschreiben und Pitching erweitern wir unser Angebot für junge Filmkritiker. Ich will nicht zu viel verraten, aber wir planen eine Kooperation mit Ricardo Brunn und wollen wieder mehr jungen Menschen die Möglichkeit geben, ihre qualifizierte Meinung zum Film zu verbreiten. Abschließend starten wir eine Reihe von sogenannten „Jour Fixe“ bei denen innerhalb eines Online-Meetings Best-Practices und wertvolles Wissen, aber auch Ideen geteilt werden können. Das heißt, junge FilmemacherInnen haben die Möglichkeit, spannende Leute kennen zu lernen, an Projekten teil zu haben aber auch solche selbst mitzugestalten. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

In Deutschland sind wir die Mitgliedsorganisation von NISI MASA. Was bedeutet das für deutsche Nachwuchs-Filmemacher?

Der Europäische Gedanke hat in der Münchner Filmwerkstatt einen besonderen Stellenwert. Mit unserem internationalen Kurzfilm-Festival, aber auch mit unseren Europäischen Freiwilligen streben wir nach Einigkeit, kulturellem Austausch und gegenseitiger Bereicherung. Wir glauben daran, dass wir gemeinsam stärker sind, sei es innerhalb der Deutschen Filmszene oder grenzüberschreitend in Europa. Genau diesen Gedanken vermitteln wir natürlich auch in unseren Seminaren: Profis aus der Branche vermitteln ihr Wissen direkt wieder an die Branche. Gleichzeitig bieten wir eine Plattform zum Netzwerken an, jedes Seminar ist auch eine Möglichkeit andere FilmemacherInnen kennen zu lernen und mit ihnen gemeinsam neue Projekte zu starten. Wir lernen durch NISI MASA aber auch, wie wir Inhalte auch für jüngere FilmemacherInnen zugänglich machen können. Und schließlich können wir durch unsere Mitarbeit im Verband natürlich wertvolle internationale Kontakte ermöglichen. Denn eines ist klar: Nur wenn wir einander gegenseitig unterstützen, können wir erfolgreich sein.

Wir danken Velina für das Interview und wünschen Ihr und NISI MASA weiterhin viel Erfolg.