Filme machen ohne Geld? Ja, das geht!

Wer als Filmemacher gerade noch am Anfang steht oder ein Projekt jenseits des kommerziellen Mainstreams umsetzen möchte, kommt schnell an den Punkt, wo klassische Finanzierungsmöglichkeiten nicht greifen. Für Viele bedeutet dies das Aus für ihr Filmprojekt. Nach dem demotivierenden Motto: No Budget – No Film! Die Münchner Filmwerkstatt begründet sich quasi auf dem Credo, genau diese Situation für Filmemacher nicht eintreffen zu lassen und bietet daher seit Anbeginn das Seminar „Filme machen ohne Geld“ an.

Entstehung des Seminars

Dozent und Filmwerkstatt-Vorstand Martin Blankemeyer stand bei seinem Abschluss an der Filmhochschule selbst vor der Herausforderung, weder bei einer Produktionsfirma noch bei der Filmförderung Unterstützung zu finden und produzierte daher seinen Film kurzerhand selbst. Inzwischen kann er auf mehr als ein Dutzend eigene No-Budget-Produktionen zurückblicken und gibt seine Erfahrungen und Tipps seit über zehn Jahren an Seminarteilnehmer weiter. Im Kurz-Interview erklärt Martin Blankemeyer, wer die Zielgruppe ist und warum es für die Branche wichtig ist, dass es No-Budget-Produktionen gibt.

Dozent und Filmwerkstatt-Vorstand Martin Blankemeyer (Photo: Peter Boettcher)

Martin, Wer ist die konkrete Zielgruppe des Workshops?

Die Zielgruppe sind Leute, die Filme machen wollen und sich bei den klassischen Finanzierungsquellen kaum Hoffnungen machen können. Entweder, weil sie zu unbekannt sind, oder weil sie Projekte haben, die dort kaum Aussicht auf Erfolg haben. Ich versuche den Leuten von meinen Erfahrungen, die ich teilweise für teures Geld machen musste, etwas weiterzugeben. Der Regelbetrieb sitzt natürlich da und sagt „Geht nicht.“ Stimmt aber nicht. „Geht schon. Man muss einfach machen.“

Worin besteht für dich die Notwendigkeit von No-Budget-Produktionen?

Es gibt zwei große Anwendungsfälle. Das eine ist, den Teufelskreis des Unbekanntseins zu durchbrechen. Da ist der Wille, Filmemacher zu sein, aber keiner kennt dich. Du musst anfangen zu machen, und am Anfang ist es nicht unwahrscheinlich, dass die regulären Strukturen dir nicht helfen. Das andere sind die inhaltlichen Überzeugungstäter. Es gibt Filme, die würden in unserer Förderlandschaft, von unseren Sendern nicht gemacht werden. Das können z.B. Genrefilme sein oder auch politisch unkorrekteres, mutiges Kino.

Das komplette Interview mit Martin ist hier zu finden.

Das Seminar aus Sicht eines Teilnehmers

Tobias Stille ist Produzent, Regisseur und Drehbuchautor – ein erfolgreicher und erfahrener Fernseh- und Filmemacher also. Dennoch hat er sich dazu entschieden, am Seminar teilzunehmen. Warum, erklärt er im Interview:

Tobias, wie bist Du auf das Seminar „Filme machen ohne Geld“ aufmerksam geworden?

Im Frühjahr 2017 wollte ich „Alle in einem Boot“ als Kinofilm nach eigenem Buch produzieren und inszenieren. Martin kannte ich schon lange, und er hatte mir in der Produktion bei meinem Debütfilm „Ohnmacht“ geholfen. Danach waren wir zusammen im EAVE Producers Workshop mit „Die 36 Tage der St. Louis“. Ich hatte das Drehbuch geschrieben – und wir wollten einen Film mit Geld machen – was bei diesem historischen Stoff auch anders gar nicht gegangen wäre. Leider ist uns das nicht gelungen. Als 2015 die starke Migration aus Nordafrika nach Europa einsetzte, fand ich erstaunliche Parallelen in den Fluchtbiographien und wollte mein überarbeitetes und aktualisiertes Drehbuch vor allem schnell machen – da schied Filmförderung aus.
Ich hatte zwar Erfahrung als creative producer einer konzerneigenen TV-Produktionsfirma, doch da war die Trennung zwischen Development und Akquise auf der einen Seite und Produktionsdurchführung auf der anderen Seite sehr ausgeprägt. Also brauchte ich mehr Ausbildung in diesem Bereich, trotz meiner Kurzfilme. Martin war mit seinen Erfahrungen, nicht zuletzt als Produzent vom „Roten Punkt“, einfach sehr wertvoll, weil es ihm gelungen ist – ganz in der Tradition amerikanischer Independent-Handbücher – das Thema systematisch aufzubereiten und mit mutmachenden Anekdoten zu garnieren.

Produzent von „Alle in einem Boot“ Tobias Stille

Inwieweit hat Dir das Seminar geholfen, Dein damaliges Projekt umzusetzen?

Vielleicht war es nicht das Wissen, sondern eher: Meine Energie mit anderen ein Wochenende lang auf das Thema zu richten. Es waren ja sehr unterschiedliche Ansätze da – aber der Widerstand ist für alle gleich: Film ist ein absurd teures Unterfangen, eigentlich nicht zu machen ohne Geld.

Wie waren die anderen Teilnehmer des Seminars? Habt Ihr heute noch Kontakt? 

Tatsächlich bin ich mit Sascha El Waraki noch in Kontakt. Er hatte „Singles‘ Diaries“ als Filmvorhaben im Seminar dabei und wollte einen Film daraus machen. Er hat es dann tatsächlich geschafft, daraus eine erfolgreiche Serie für joyn zu machen, die jetzt in Fortsetzung geht. Im Moment versuche ich seinen Kinofilm „Brautschau“, eine deutsch-arabische Culture-Clash-Komödie, zu finanzieren.

Was rätst Du Filmemachern, die möglichst unabhängig produzieren wollen und wenig Kapital haben?

Machen! Aber dabei strategisch vorgehen. Und: Ein Netzwerk von motivierten Filmemacher-Kollegen, mit denen man sich ehrlich und auf Augenhöhe austauscht. Ich hatte das Vergnügen, nach „Alle in einem Boot“ von dem Regie-Kollegen Marco Gadge gelöchert zu werden und vielleicht den ein oder anderen Tipp zu geben. Sein No-Budget-Film „Julia muss sterben“ läuft gerade auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis.

Vielen Dank an Tobias Stille für das Interview! Der Kinofilm „Alle in einem Boot“ läuft ab 12. März 2020 im Kino.

Wer das „Seminar Filme machen ohne Geld“ mit Martin Blankemeyer besuchen will, findet hier Gelegenheit:

Weitere Seminare zu diesem Themenbereich sind unter www.filmseminare.de zu finden.

Filme machen für Pädagogen und No-Budget-Filmmaking mit Martin Blankemeyer: unsere Empfehlungen im September

Gestern ist unsere neue Europäische Freiwillige Emma aus Frankreich am Hauptbahnhof in München angekommen. Emma nimmt am Programm Erasmus+ teil und kann im Rahmen dessen Arbeitserfahrung sammeln, ihre Deutschkenntnisse perfektionieren und über die Filmbranche lernen, während sie unsere Arbeit mit internationalem Input und frischen jungen Ideen bereichert. Sie wird unsere Seminarebetreuung unterstützen und wir freuen uns sehr, sie bei uns willkommen zu heißen und mit ihr gemeinsam zu arbeiten! Mehr Infos zu unserem Europäischen Freiwilligendienst findet ihr auch hier: www.muenchner-filmwerkstatt.de/europaeischer-freiwilligendienst

September ist durch die Sommerferien ein Monat, der ziemlich ruhig ist, aber wir wollen dennoch die Gelegenheit nutzen, auf unsere Angebote in dieser Zeit hinzuweisen:

Filme drehen mit Kindern und Jugendlichen am 7. und 8. September 2019

Medienpädagogen, Lehrerinnen und Lehrer, Jugendbetreuer und -betreuerinnen wollen häufig ein spannendes Angebot für ihre Klassen und Jugendgruppen organisieren. Doch, wie lässt sich so ein Filmprojekt organisieren? Was brauche ich dafür, woher bekomme ich Equipment? Wie binde ich die Kinder und Jugendlichen am besten ein? Rainer Niermann beantwortet all diese Fragen in dem Seminar und gibt nützliche Tipps und Tricks für den praktischen Teil. Das Seminar organisieren wir in Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft Bayern des Bundesverbands Jugend und Film.
www.filmseminare.de/lehrerseminar

NoBudget-Filmproduktion in der Praxis am 28. und 29. September 2019

Unser Vorstand, Martin Blankemeyer ist am 28. und 29. September im Filmhaus Frankfurt und wird dort über das Thema No-Budget-Filmproduktion referieren. Er hat jahrelange Erfahrung als Produzent mit mehr als zehn eigenen No-Budget-Produktionen! Wenn ihr etwas vorhabt, aber nicht sicher seid, ob es ohne Geld klappen kann, ist Martin euer Mann. Mehr Informationen finden sich hier: www.filmhaus-frankfurt.de/Seminar/126/S71-Seminar-NoBudget-Filmproduktion-in-der-Praxis

Diese und alle anderen Seminare aus unserem Programm könnt Ihr übrigens nicht nur selbst besuchen, sondern auch zur Mitarbeitermotivation oder als Geschenk einsetzen: beschenkt Euch selbst, Eure Geschäftspartner, Mitarbeiter, Kunden, Freunde oder Kinder doch einfach mit einer Seminarteilnahme! Antworten auf häufige Fragen z.B. zu Ort, Uhrzeiten, Unterkunft, Anmeldung, öffentlicher Förderung z.B. mit den Prämiengutscheinen der Bildungsprämie (durch die bei Vorliegen der Voraussetzungen 50 Prozent des Teilnehmerbeitrags übernommen werden) u.v.a.m. finden sich unter www.filmseminare.de/muenchen/faq – die dort niedergelegten Regelungen sind gleichzeitig auch unsere Vertragsbedingungen. Eine vollständige, laufend aktualisierte Übersicht des breiten Programms findet sich unter www.filmseminare.de.

Filme machen ohne Geld – Workshops mit Filmwerkstatt-Vorstand Martin Blankemeyer

Filmwerkstatt-Vorstand Martin Blankemeyer hält seit rund zehn Jahren Workshops für Filmemacher, die Projekte jenseits der gängigen Finanzierungswege mit Förderern und/oder Sendern machen wollen bzw. müssen. Warum er das tut und was genau die Teilnehmer in den Workshops erwarten können, erläutert Martin Blankemeyer im Interview mit Elena Preine:

Wie bist du dazu gekommen, Workshops für No-Budget-Produktionen zu geben?

Ich wurde angesprochen, als ich gerade von der Filmhochschule kam und dort meinen Abschlussfilm gemacht hatte. Da hab ich erzählt, dass ich im Studium zwar viel gelernt habe, aber eben auch vieles, was ich nicht gebrauchen konnte und noch viel wichtiger vieles nicht, was ich hätte gebrauchen können. Wie beispielsweise, dass mir jemand erklärt, wie ich Leute dazu kriege, mir bei meinem Film zu helfen, auch wenn ich sie nicht bezahlen kann. Dementsprechend habe ich es selbst herausfinden müssen mit diversen Fehlleistungen und dann dachte ich, dass man diese Erfahrung, die ich nun habe, an andere weitergeben sollte. Es gibt einen Riesenbedarf dafür und es gab niemanden, der das gemacht hat.

Was ist der Hintergrund des Workshops? Warum ist es wichtig, dass er stattfindet?

Gerade wer anfängt, wird von den klassischen Financiers ignoriert. Um sich dorthin zu arbeiten, von denen wahrgenommen zu werden, muss man irgendwie anfangen. Und das erst einmal ohne Geld. Viele Leute haben beispielsweise nicht die Chance, eine Filmhochschule zu besuchen und so müssen sie den Teufelskreis des unbekannten Filmemachers durchbrechen. Im Gegenzug hat man in der Situation ja aber auch Vorteile, weil man wenig Kompromisse machen muss. Wenig Geld bedeutet viel Freiheit.

Wer ist also die konkrete Zielgruppe des Workshops?

Die Zielgruppe sind Leute, die Filme machen wollen und sich bei den klassischen Finanzierungsquellen kaum Hoffnungen machen können. Entweder, weil sie zu unbekannt sind, oder weil sie Projekte haben, die dort kaum Aussicht auf Erfolg haben. Ich versuche den Leuten von meinen Erfahrungen, die ich teilweise für teures Geld machen musste, etwas weiterzugeben. Der Regelbetrieb sitzt natürlich da und sagt „Geht nicht.“ Stimmt aber nicht. „Geht schon. Man muss einfach machen.“

Wie lange geht der Workshop und was ist darin enthalten?

Ich mache meist zweitägige Veranstaltungen, in denen wir das Thema theoretisch durchkauen. An Filmschulen und so mache ich aber auch längere Workshops, in denen wir dann wirklich produzieren – unter dem Motto „Something from Nothing“.
In den zweitägigen Workshops gehen wir erstmal durch eine ganz normale Kalkulation einer Spielfilmproduktion. Punkt für Punkt überlegen wir uns Antworten auf die Frage „Schön wärs, wir haben aber kein Geld. Was können wir tun?“ Dann reden wir darüber, wie man an Rechte kommt, wenn man sie nicht bezahlen kann und wie man ein Team findet, wenn man es nicht bezahlen kann. Dabei sprechen wir auch darüber, warum Menschen bei Filmen mitmachen, wenn es keine materiellen Gründe gibt. Der erste Tag beschäftigt sich also mit der Ausgabenseite. Das ist der spannende Teil an No-Budget-Produktionen.

Am zweiten Tag gebe ich gerne noch einen Überblick über den Anfang des Filmemachens und die Frage „Wo gibt es denn Geld?“. Wir gucken uns also Finanzierungsquellen an. Sowohl die regulären, aber auch ganz stark die alternativen Finanzierungsquellen. Von crowd funding über „automatische“ Förderungen bis hin zu inhaltlichen Finanzierungsansätzen entlang des Themas eines Films.

Martin Blankemeyer (Photo: Peter Boettcher)

Worin besteht für dich die Notwendigkeit von No-Budget-Produktionen?

Es gibt zwei große Anwendungsfälle. Das eine ist, den Teufelskreis des Unbekanntseins zu durchbrechen. Da ist der Wille, Filmemacher zu sein, aber keiner kennt dich. Du musst anfangen zu machen, und am Anfang ist es nicht unwahrscheinlich, dass die regulären Strukturen dir nicht helfen. Das andere sind die inhaltlichen Überzeugungstäter. Es gibt Filme, die würden in unserer Förderlandschaft, von unseren Sendern nicht gemacht werden. Das können z.B. Genrefilme sein oder auch politisch unkorrekteres, mutiges Kino.

Wie haben sich No-Budget-Filme im Laufe der Jahre entwickelt?

Die Digitalisierung bedeutet eine große Demokratisierung. Als ich angefangen habe, Filme zu machen, hat man das Geld für Kamera und Filmmaterial ausgegeben. Heute haben wir alle ständig eine Kamera dabei, mit der man tolle Geschichten erzählen kann als Nebenfunktion im Smartphone. Für alles, was über Inhalt funktioniert, reichen diese Produktionsmittel weitgehend aus. Das war vor zehn Jahren noch nicht so und so müssen sich heute wesentlich weniger Leute abschrecken lassen. Wir kommen so der Möglichkeit der Zero-Budget-Produktion im Wortsinn immer näher, weil Kosten, die früher unvermeidbar waren, weitgehend verschwinden.

Siehst du auch kritische Punkte bei No-Budget-Produktionen, wie beispielsweise, dass Leute umsonst arbeiten?

Die Kritik, die ich immer wieder höre, verstehe ich wirklich nicht. Ich hab nie das Gefühl gehabt, dass jemand umsonst arbeitet. Die Motivationen, sich zu beteiligen, sind vielfältig, und Geld ist nur eine davon. Es gehen ja auch nicht nur Leute Fußballspielen, weil Ihnen ein Bundesligaclub dafür Millionen zahlt.

Seit ein paar Jahren gibt es nun den Mindestlohn. Wie lässt sich das mit No-Budget-Produktionen vereinbaren?

Wir haben nun eine klare Aussage, dass Arbeitnehmer bezahlt werden müssen, und zwar nicht irgendwann, sondern sofort. Die Lösung heißt in meinen Augen, dass man sehr klarmacht, dass es sich nicht um Arbeitsverhältnisse handelt dann fällt auch kein Mindestlohn an. Schauspieler beauftragen Produzenten, um ihnen Szenen für Ihr Showreel zu drehen  da ist der Schauspieler alles, aber kein Arbeitnehmer. Es gibt ehrenamtliches Engagement, weil man Dinge wichtig findet, und es gibt Praktika zur Berufsorientierung oder im Rahmen eines Studiums. Und last but not least kann man überlegen, ob man so eine Produktion als Koproduktionsgemeinschaft machen kann. Dann ist jeder Produzent, stellt seine Leistung bei und ist am Erfolg beteiligt.

Wer an einem Workshop mit Martin Blankemeyer teilnehmen will, findet z.B. hier Gelegenheit: